Ich selbst habe nie Orangenblütenwasser hergestellt, da die Orange das Klima der Hochprovence nicht sehr schätzt. Die klimatischen Bedingungen sind dort besser für den Anbau aromatischer Kräuter geeignet. Aber fasziniert hat mich der Orangenbaum seit jeher.
Vielleicht hat es ja mit der blassen Erinnerung an diese seltenen Früchte zu tun, die es bei uns zu Weihnachten - eingewickelt in Seidenpapier und mit lustigen und naiven Zeichnungen versehen - gab. Oder aber auch mit den ausgehöhlten, mit einer Kerze bestückten Orangen, welche bei uns zu Weihnachten auf dem Esstisch standen. Oder auch mit den nelkengespickten Orangen, welche das ganze Jahr über unser Heim mit ihrem Duft verzauberten.
Der Orangenbaum ist etwas empfindsamer als die Olive oder die Mandel. Er bevorzugt die küstennahen Regionen. Jedoch verhalf er der Region Grasse, in der es heute nur noch sehr wenige Orangenhaine und eine sehr kleine Orangenölproduktion gibt, zu ihrem guten Ruf und Ansehen. Heute werden die Orangenblüten zur Parfumherstellung auf der anderen Seite des Mittelmeeres - wie z.B. in Ägypten, Tunesien und in der Nähe von Kathargo - geerntet.
Entdecken Sie den Orangenbaum
Der Orangenbaum hat uns jedoch noch mehr als nur seine Frühlingsblüten zu bieten. Die Schalen der kleinen, grünen Früchte und dessen Blätter verwenden wir zur Gewinnung von 'Petit Grain Oil', dessen schärferer und fruchtiger Duft zur Herstellung von Eau de Cologne oder auch Seifen verwendet wird.
Wenn der Orangenbaum im Herbst zum zweiten Mal blüht, enthalten die Blüten nicht mehr so viel ätherisches Öl. Sie werden nun für die Anfertigung von Sträußchen und Haarschmuck der jungen Bräute verwendet. Im gesamten Mittelmeerraum symbolisieren die weißen Blüten der Orange Reinheit.
Die nicht geernteten Blüten werden zu den Früchten des Winters. In alten Zeiten verwendeten die Einwohner von Grasse die Schale der Früchte, um daraus kleine Behältnisse und Schmuckschatullen zu fertigen, die man noch heute im örtlichen Parfummuseum bewundern kann. Ich hielt diese Tradition bereits für ausgestorben, stolperte jedoch vor nicht allzu langer Zeit über Handwerker, die diese Technik weiter betreiben und kleine Schatullen fertigen. Und wissen Sie wo? In Kalifornien!
Also war auch dieses Wissen nicht verloren und wird weitergeführt, wie auch viele andere wertvolle Produkte, zu denen uns der Orangenbaum inspiriert!
Olivier Baussan